Gesundheit
Versicherte leiden unter Staatsmedizin
Über 90% der Bundesbürger sind bei gesetzlichen Krankenkassen versichert. Alle Kassenmitglieder vereint, dass sie seit Jahresbeginn 2009 besonders unter der verordneten Staatsmedizin zu leiden haben. Zusätzlich erhöhen sich die finanziellen Belastungen durch die Einführung des einheitlichen Beitragssatzes von derzeit 14,9% und den jetzt angekündigten Zusatzbeitrag (mindestens 8 €), der alleine vom Versicherten zu tragen ist. Der Höchstbeitrag für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) beträgt in 2010 nunmehr 558,75 € monatlich. Dazu addieren sich Aufwendungen für die Pflegeversicherung. Seit Einführung 1995 ist hier der monatliche Höchstbeitrag von knapp 30 € (Beitragssatz: 1%) auf über 82 € (bei Kinderlosen/Beitragssatz: 2,20%) innerhalb von eineinhalb Jahrzehnten förmlich explodiert.
Im Vergleich dazu betrug der GKV-Höchstbeitrag 1970 rund 50 €. Das bedeutet eine Steigerung von fast 1.300%!
Gesundheitsreformen – eine unendliche Geschichte
Doch damit nicht genug. Während in der Privaten Krankenversicherung (PKV) der Patient auf individuell festgelegte und vertraglich garantierte Leistungen (Kostenerstattungsprinzip) vertrauen kann, unterliegt der GKV-Versicherte dem gesetzlichen Leistungskatalog (Sachleistungsprinzip). Und der kann sich durch staatliche Eingriffe in die Rahmenbedingungen ändern. Eine Gesundheitsreform jagt in den vergangenen Jahrzehnten die nächste, um das Problem der ungünstigen demografischen Entwicklung und der Kostenexplosion im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen.
Ein weiteres Ergebnis: Leistungskürzungen!
Eine Folge daraus ist die wachsende Unzufriedenheit der Kassenmitglieder mit der Gesundheitspolitik und den gemachten Versprechungen vor der letzten Gesundheitsreform. »Die Bevölkerung will die PKV halten« titelte das »VersicherungsJournal« und berief sich dabei auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts »TNS Emnid«. Die wichtigsten Aussagen dieser Umfrage sind eine schallende Ohrfeige für die Gesundheitspolitik:
- Jeder Zweite würde in die PKV wechseln, wenn er könnte.
- Nur 25% sehen die Erwartungen der letzten Gesundheitsreform erfüllt.
- Als Gründe für einen Wechsel in die PKV gelten vor allem eine bessere medizinische Versorgung (97%) und die Furcht vor weiteren Leistungseinschnitten (86%) in der GKV. Das Motiv Geld sparen besitzt nur für 30% der Befragten eine Relevanz.
Aufgrund fehlender Nachhaltigkeit der bisherigen Gesundheitsreformen wird das umlagefinanzierte System der GKV mittel- und langfristig nicht mehr durch die Beitragszahler finanzierbar bleiben.
»Es gibt 1000 Krankheiten, aber nur eine Gesundheit.«
Arthur Schopenhauer (1788-1860), deutscher Philosoph
Privat- oder Kassenpatient?
Der Schritt in die kapitalgedeckte Krankenvollversicherung der PKV ist nicht für jedermann möglich und bedarf einer individuellen Prüfung. Zudem wurden der Wechsel durch das Wettbewerbsstärkungsgesetz für Arbeitnehmer mit Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze (2010: 49.500 €) erschwert. Hier erwägt die neue Bundesregierung laut Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2009 allerdings eine Änderung.
Private Zusatzversicherungen bieten hier attraktive Alternativen für gesetzlich Krankenversicherte, die nicht wechseln können. Ähnliches gilt für Heilfürsorgeberechtigte (z.B. bei Bundespolizei oder Bundeswehr), die ebenfalls von Leistungskürzungen betroffen sind.
Privatpatienten kennen in der Regel keine längerfristigen Wartezeiten auf einen Facharzt- oder Operationstermin. Budgetierungen spielen bei der medizinisch notwendigen Heilbehandlung ebenfalls keine Rolle. Mitunter können diese Vorteile der PKV bei lebensbedrohlichen Erkrankungen Leben retten.
Wer auf Mitbestimmung, wenn es um die eigene Gesundheit geht, Wert legt, kommt an einer privaten Absicherung nicht vorbei.