Enthüllungsjournalist Markus Breitscheidel war ganz nah dran. Der Autor des Bestsellers »Abgezockt und totgepflegt - Alltag in deutschen Pflegeheimen«, arbeitete verdeckt als Pflegehelfer zwei Jahre lang in Pflegeheimen quer durch die Republik. Sein Fazit ist alarmierend:
»Die Patienten werden gewaschen und gefüttert, für mehr bleibt keine Zeit. Ich habe Bewohner gesehen, die auf den Fluren um Hilfe schrien und sich auf den Boden warfen. Aber an Stelle von Aufmerksamkeit bekamen sie eine Dosis Valium. 10.000 Menschen sterben pro Jahr in deutschen Heimen, weil sie nicht ausreichend gepflegt werden.«
Im Dezember 2007 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Pflegestatistik, Erscheinungsfolge seit 1999 alle zwei Jahre) in der Pflegestufe I 1.156.779 (+8,2% im Vergleich zu 2005), in der Pflegestufe II 787.465 (+2,5%) und in der Pflegestufe III 291.752 (+3,9%) Personen registriert. 252.828 (+4,7%) Pflegebedürftige entfielen auf die Altersklasse der 15 bis 60-Jährigen. Gegenüber 1999 betrug der Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen in den Heimen 23,7% (+136.000), bei den ambulanten Pflegediensten 21,4% (+89.000) und bei den Pflegegeldempfängern 0,6% (+6.000). Im Jahre 2020 wird mit 2,83 Millionen Pflegebedürftigen gerechnet. 2050 sollen gar 4,70 Millionen Menschen betroffen sein.
Die durchschnittlichen monatlichen Aufwendungen für einen Pflegeheimplatz betrugen 2005 in Bayern in der Pflegestufe I 2.037 €, in der Pflegestufe II 2.402 € und in der Pflegestufe III 2.675 €. Zusätzlich zu den Ausgaben für Pflege, Unterkunft und Verpflegung enstanden für die Heimbewohner weitere Kosten, insbesondere für gesondert berechenbare Investitionsaufwendungen. Diese werden in der Pflegestatistik nicht erfasst. Nach den Ergebnissen der Repräsentativerhebung »Hilfe- und Pflegebedürftige in Alteneinrichtungen 2005« wurden in 89% der Heime zusätzliche Investitionskosten im Schnitt von 399 € den Pflegebedürftigen in den alten Bundesländern in Rechnung gestellt. Die Erhebung wurde von TNS-Infratest im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt.
In den verschiedenen Pflegestufen sind die Kostensätze von 1999 bis 2005 deutlich gestiegen: Pflegestufe I +16%, Pflegestufe II +13% und Pflegestufe III +14%. Dieser Trend wird aufgrund der steigenden Nachfrage weiter anhalten. Bleiben die Steigerungsraten unverändert, wird ein Pflegebedürftiger in der Pflegestufe III im Jahr 2020 rund 3.800 € pro Monat zzgl. zusätzlicher Investitionskosten von geschätzten 565 € für einen Pflegeheimplatz aufwenden müssen (eigene Hochrechnungen).
»Die gesetzliche Pflegeversicherung ist nach wie vor eine
Teilkaskoversicherung, die im Ernstfall nur einen Teil
der anfallenden Kosten decken kann.«
Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale
Erstmals seit Einführung der Pflegeversicherung 1995 wurden die Leistungen Mitte 2008 und nochmals Anfang 2010 geringfügig erhöht. Die Sachleistungen bei ambulanter Pflege betragen nun 440 € (Stufe I), 1.040 € (Stufe II) bzw. 1.510 € (Sufe III). Bei stationärer Pflege erhöhen sich die Leistungen auf 1.023 € (Stufe I) und 1.279 € (Stufe II). In Pflegestufe III wird der Betroffene wie im ambulanten Bereich mit 1.510 € unterstützt. Die Differenz zu den tatsächlichen Kosten summiert sich somit auf weit über 50%.
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Der Staat kann vorschreiben, wie lange man arbeiten muss (»Rente mit 67«). Was der Staat nicht bestimmen kann: Wann jemand krank oder pflegebedürftig wird. Sorgen Sie deshalb für diesen Fall privat vor, damit finanzielle Gründe eine professionelle und menschenwürdige Versorgung nicht verhindern!